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Warum sind Avantgarde Brands so teuer?

By Ronny Schröder Juni 8, 2021 4 min read

Warum sind Avantgarde Brands so teuer?

Ich weiß, dass die Frage in deinem Kopf herumgeistert. Ich stelle mir hin und wieder dieselbe Frage, wenn ich ein paar Schuhe für 4.500 Euro sehe. Wie kommt der Preis zustande? Und wie kann es sein, dass die meisten Avantgarde Brands so teuer sind? Ist der Preis immer gerechtfertigt?

Ich versuche, dir einen Überblick zu verschaffen, welche Faktoren zusammenspielen und wie die Preisstruktur entsteht. Natürlich gilt das nicht für jede Marke, die im Deckmantel des Avantgardismus partizipiert. Du musst in eigener Regie den Labels auf den Zahn fühlen, und dir ein genaues Bild von ihnen machen. Hier ein paar Faktoren, die dabei betrachtet werden können.

Avantgarde Fashion ist Design und Kunst

Meine Lieblings Avantgarde Brands legen höchsten Wert darauf, eigene Schnitte und eine klare Linie und Designsprache zu kreieren. Weder das eine, noch das andere ist in der Mode gang und gäbe. Sie entwickeln über Jahre hinweg einen starken, wiedererkennbaren Stil. In jedem Kleidungsstück oder Accessoire stecken Stunden über Stunden in der Gestaltung. Ich finde, dass in keinem anderen Bereich der Mode, außer vielleicht der Haute Couture, die Kunst so fest mit Mode verwoben ist, wie im Avantgardismus.

Stile werden immer weiter ausgearbeitet und entwickelt. jedes Stück ist in sich komplex und selbst T-Shirts können hier zu kleinen abstrakten Kunstwerken werden. Ich sehe den Avantgardismus als eine Art „tragbare Kunst“, und in gewisser Weise macht allein das manche Teile unbezahlbar.

Der Arbeitskosten Unterschied

In Bangladesh verdient ein durchschnittlicher Sweatshop-Mitarbeiter 98 Dollar im Monat. Noch gruseliger wird dieser Fakt, wenn man bedenkt, dass die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten für eine essentielle Grundversorgung bei ca. 200 Dollar im Monat liegt. Warum erwähne ich das? Das ist einer der Hauptgründe, warum Avantgarde Fashion einen höheren Preis hat. Viele Brands, wie wir, produzieren in-house, in eigenen Ateliers, oder in kleinen europäischen Produktionsstätten. Die Stücke sind oft sehr aufwendig herzustellen und erfordern einen dafür geeigneten und spezialisierten Fabrikanten. Die Arbeitskosten sind hier schnell um Minimum das 10 bis 100-Fache höher, als in Fernost.

Die Qual der Wahl ums Material

Mein Freund, Daniel Andresen, kauft Yak Haare, die für ihn zu Garn gesponnen werden. Diese Wolle färbt er dann in seinem eigenen Atelier mit Nussschalen und Avocados. Damit stellt er die komplexesten und schönsten Cardigans her, die ich mir vorstellen kann. Wie man anhand von Daniels Wolle feststellt, ist das Material, so wie er es beschafft, nicht zu vergleichen mit irgendetwas anderem, das im Markt zu finden ist.

Ein Großteil meines Leders kommt aus Deutschland, der Rest aus Italien und den Niederlanden. Es wird nach unseren Spezifikationen zugerichtet und hergestellt. Verglichen mit einem 10-15 Euro Quadratmeter aus Indien oder China, ist es 8-10 Mal so teuer. Das Gleiche gilt für die kleinsten Details: Riri und Excella Reißverschlüsse, die unverschämt teuer sind und custom-made Hardware aus Messing und Sterling Silber. Diese besonderen, teuren und meist extra angefertigten Materialien tragen auch zu einem höheren Preis bei.

Stückzahlen, Qualität statt Quantität

Ein weiterer erheblicher Grund sind die kleinen Stückzahlen, die den Preis nach oben treiben. Nicht nur in der Produktion, auch im Materialeinkauf. Die meisten „artisanal“ Brands, die in-house oder in kleinen Produktionen herstellen, werden kaum ein Stück mehr als 100 Mal im Jahr produzieren. Oft müssen Sonderzuschläge für diese kleinen Produktionsmengen gezahlt werden. Ich habe Teile in meiner Kollektion, von denen ich nur wenige Stücke im Jahr baue. Das ist nur möglich, da wir alles made-to-order produzieren. 

Teilweise werden auch bestimmte Kollektionen absichtlich in sehr kleinen Auflagen produziert, um ihren Wert auch damit noch zu unterstreichen. Natürlich gibt es auch im Avantgardismus Giganten und riesige Brands, die lasse ich hier in meiner Betrachtung aber einfach mal außen vor.

Zusammenfassend ist Avantgarde Mode also teurer, weil?

Wenn wir diese 4 primären Teile zusammensetzen, wird schnell klar, wie die Preise entstehen. Auch Handelsmargen der Retailer sind nicht unerheblich für die Preispolitik und dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Alles in allem sind Seltenheit, Design, Materialien und die Löhne die größten Preisunterschiede. Die Investition in kleinere Avantgarde Brands wird dadurch aber automatisch meist Fairtrade, Bio und sustainable*. Die Produkte haben einen kleineren CO2-Fußabdruck, als die der Fast-Fashion-Giganten. Avantgardistische Stücke halten meist einen sehr guten Wiederverkaufswert, manche werden sogar mit den Jahren immer begehrter und teurer. 

* Diese Angaben sind ohne Gewähr und müssen individuell für das Brand geprüft werden.

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